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Nicht
nur Deutschland war stets ein Durchgangstor und ein
Ort zum Niederlassen für Menschen unterschiedlichster
Herkunft. Auch die heutige Türkei ist schon seit
prähistorischen Zeiten eine beliebte Wanderroute
für die unetrschiedlichsten Menschen. Dies drückt
sich nicht zuletzt in der gegenwärtigen Zusammensetzung
Gesellschaften der Bevölkerung beider Länder
aus, die jede Art von Homogenität von vorneherein
ausschließt.
Auch wenn beide Länder hinsichtlich ihrer multikulturellen
Entwicklung unterschiedliche historische Erfahrungen
haben, werden sie durch ihre spezifischen Probleme im
Umgang mit den Bevölerungsgruppen unetrschiedlicher
kultureller Herkunft verbunden. Vor dem Hintergrund
der Kinolandschaften der Türkei und Deutschlands
ergeben sich daraus spannende Fragen.
Wie wirkt sich die interkulturelle Zusammensetzung
der Gesellschaft hier und dort auf das kreative Schaffen
der Filmschaffenden? Zu welchen neuen künstlerischen
Wegen führt die interkulturelle Zusammenarbeit?
Welchen Sinn macht es, Kinokunst nach ethnischen und
nationalen Kriterien zu verorten?
Das Filmfestival Türkei / Deutschland widmet sich
diesen Fragen mit dem Sonderbereich "Interkulturelles
Kino".
Besondere Aufmerksamkeit verdient in Deutschland die
Entwicklung des sogenannten deutsch-türkischen
Kinos, das wir mit vier aktuellen Filmen unter dem Motto
"Deutschtürkisches Kino - made in Germany"
vorstellen. Seit Mitte der 90er Jahre wird hierzulande
eine Reihe von Filmen unter diesem Label verbucht. Doch
nicht nur "deutschtürkische" Namen wie
Sülbiye Günar ("Karamuk"), Neco
Çelik ("Alltag"), Züli Aladag
("Elefantenherz") oder Fatih Akin ("Solino")
zählen zu den jungen Talenten des deutschen Kinos,
sondern auch Eoin Moore, Iain Dilthy oder Dito Tsintsadze
("Lost Killers"), die durch die Qualität
ihrer filmischen Werke auf sich aufmerksam machen. Bei
den letzten Internationalen Hofer Filmtagen wurden gleich
drei "deutschtürkische" Filme ausgewählt,
die sehr unterschiedliche Geschichten erzählen.
Diese werden auch in unserem Programm zu sehen sein.
Der wohl bekannteste deutsch-türkischer Regisseur
Fatih Akin nimmt am Festival gleich mehrmals teil: mit
seinem Publikumserfolg "Solino", einem Beitrag
zum Dokumentarfilmwettbewerb und als Teilnehmer an der
Podiumsdiskussion über Interkulturalität.
Das türkische Kino tat sich immer schwer im Umgang
mit den Gruppen unterschiedlicher kultureller Herkunft.
Jedoch ist in den letzten Jahren in der Kinokunst der
Türkei eine Entwicklung zu verzeichnen: Zunehmend
werden die interkulturellen Aspekte der Realität
der türkischen Gesellschaft widerspiegelt, in der
Multikulturalität als eine große Errungenschaft
gefeiert und zugleich als Problem gelebt wird. Die Festivalfilme
"Büyük Adam Küçük Ask"
von Handan Ipekçi, "Fotograf" von Kazim
Öz, "Dar Alanda Kisa Paslasmalar" von
Serdar Akar, "Herkes Kendi Evinde" von Semih
Kaplanoglu und "Propaganda" von Sinan Çetin
erzählen Geschichten, die einen mehr oder weniger
direkten Bezug zu bestimmten religiösen und ethnischen
Bevölkerungsgruppen herstellen und nicht nur geographische,
sondern auch kulturelle Grenzziehungen in Frage stellen.
Der Schein trügt nicht, fast alle türkischen
Filme können dem Programmbereich "interkulturelles
Kino" zugeordnet werden; denn sie repräsentieren
den neuen couragierten Umgang der Filmkünstler
mit der multikulturellen Realität des Landes. Die
ausgewählten Filme aus beiden Ländern werden
das Festivalpublikum auf eine spannende Reise mitnehmen,
unabhängig von den Landschaften, in denen die Geschichten
spielen.
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