Das türkische Kino in
Deutschland
Interkulturelle Dialoge
sind für die Entfaltung einer vielfältigen, offenen und modernen
Gesellschaft in Deutschland unverzichtbar. In der kulturellen Praxis
stellen wir fest, dass die Musik- und Kinokunst dabei eine große Rolle
spielen. So wichtig eine intensivere Begegnung zwischen der deutschen
Kinokunst und den türkischen Cineasten ist, so notwendig ist es auch, dass
der türkische Film in Deutschland das deutsche Kinopublikum erreicht.
Der Zugang türkischer
Kinoproduktionen in die deutschen Kinos begann nach dem Erfolg des Filmes "Yol"
(Der Weg) 1982 in Cannes. Dieser Erfolg konnte aber danach nicht mehr
fortgesetzt werden.
In den 90er Jahren boten
türkische Filmtage, die in einigen deutschen Städten stattfanden, die einzige
Plattform für das türkische Kino. Diese Veranstaltungen stießen auf große
Resonanz. Seit einigen Jahren finden türkische Kinoproduktionen vermehrt
Zugang in die deutschen Kinos.
Doch bei einer näheren
Betrachtung der Filme, die auf den deutschen Kinomarkt kommen, stellt man
fest, dass sie ausschließlich das türkische Kinopublikum ansprechen und die
deutschen Zuschauer kaum erreichen. Türkische Kinokunst in Deutschland kann
daher auch nur schwer zur Förderung des interkulturellen Dialogs beitragen
Dabei verfügen Filme aus der
Türkei durchaus über das Potential, auch außerhalb des eigenen Landes
verstanden zu werden. Filme, die eigene Kulturlandschaften in einer
universellen Bildersprache vermitteln können. Das türkische Kino bringt nicht
nur populäre Massenfilme hervor. Regisseurinnen und Regisseuren gehen neue
Wege der Kinokunst, wagen Experimente und tragen die persönliche Handschrift
der Filmschaffenden, stoßen auf internationalen Festivals auf ein großes
Interesse und werden mit Preisen ausgezeichnet. Wie zum Beispiel Zeki
Demirkubuz, der letztes Jahr in Cannes mit zwei Filmen im Programmbereich "Der
besondere Blick" vertreten war oder die Tatsache, dass nach "Yol" (Der Weg)
erstmals ein türkischer Film wieder im Wettbewerb des Internationalen
Filmfestivals Cannes im Mai dieses Jahres zu sehen sein wird.
Für die Förderung eines
interkulturellen Austausches sind sowohl kommerzielle als auch künstlerisch
anspruchsvolle Autorenfilme von großer Bedeutung. Um die Bandbreite einer
Kinokultur zu repräsentieren, müssen daher beide Formen die Chance haben, in
die Kinos zu kommen.
Autorenkino, das sich
jenseits des filmischen Mainstreams bewegt, erreicht aufgrund seiner nicht
kommerziellen Orientierung tendenziell ein kleineres Publikum und findet
dadurch selten den Weg in die großen Spielstätten. Kunstfilme finden ihr
Publikum auch in Deutschland nur auf den Festivals oder in den Programmkinos.
Filmfestivals, die den Anspruch erheben das kulturelle Potential eines Landes
zu repräsentieren, kommt die Aufgabe zu, kommerziellen wie künstlerisch
anspruchsvollen Filmen eine Plattform zu bieten. Damit leisten sie einen
Beitrag zum kulturellen Dialog.
Vor diesem Hintergrund haben
wir den türkischen Programmbereich des diesjährigen Festivals mit Filmen
gestaltet, die sowohl in den letzten Jahren in der Türkei ein Massenpublikum
erreichten als auch auf internationalen Festivals viel Anerkennung fanden.
Außerdem zeigen wir neben den Kinofilmen im Rahmen einer kleinen Retrospektive
Werke des Dokumentarfilmers und Journalisten Can Dündar.
Dank den großen Anstrengungen
des Festivalteams zeigen wir auch in diesem Jahr die türkischen Filme mit
deutschen Untertiteln. Die Dokumentarfilme werden deutsch eingesprochen. Wir
erhoffen uns dadurch bei den deutschen Cineasten großes Interesse für die
kommerziellen und künstlerisch anspruchsvollen Filme aus der Türkei.
Das Ziel des Festivals, den
interkulturellen Dialog zu fördern, wird unterstützt von unseren Gästen aus
der Türkei. Ihre Anwesenheit bei Publikumsgesprächen und Podiumsdiskussionen
bietet dem Publikum die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu
werfen.