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Der Deutsche Film ist tot, es lebe der Deutsche Film

 In den 60er und 70er Jahren "überrollte" der Neue Deutsche Film die Filmfestivals von Venedig und Cannes. Danach wurden die Herzogs, Wenders, Schlöndorffs und Fassbinders auch in Deutschland bemerkt und anerkannt. Das ist wichtig, um zu verstehen, dass der damalige "Junge Deutsche Film" erst über das Ausland in Deutschland bekannt wurde.

Bis zu seinem Tod 1982 war Fassbinder fast allein für das internationale Filmgeschäft zuständig. Diese Namen prägen auch heute noch international den Deutschen Film, obwohl danach neue Generationen von RegisseurInnen wie Doris Dörrie, Caroline Link, Sönke Wortmann, Dominik Graf oder Jan Schütte kamen, um nur einige zu nennen. Einzelne Filme hatten auch großen Erfolg an den deutschen Kinokassen, wie "Männer" von Doris Dörrie, "Jenseits der Stille" von Caroline Link, "Der bewegte Mann" von Sönke Wortmann, "Das Leben ist eine Baustelle" von Wolfgang Becker und vor allem "Lola rennt" von Tom Tykwer, der einen frischen Stil auf die Leinwand brachte. Der deutsche Marktanteil stieg zeitweise sogar auf über 20 Prozent und man dachte, das Ziel von 30 Prozent sei keine Utopie mehr sei. Auch waren für die wachsenden Zuschauerzahlen besonders Unterhaltungsfilme verantwortlich, wie die Otto-Filme. 2001 schaffte es sogar "der Schuh des Manitu" über 11 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos zu locken, das waren allein sieben Prozent von einem Marktanteil von insgesamt 18 Prozent. 2002 fiel deshalb zwangsläufig die Zuschauergunst für den Deutschen Film auf 11 Prozent, obwohl viele deutsche Filme in die Kinos kamen.

 Natürlich ist die Übermacht des amerikanischen Films weltweit in allen Ländern zu spüren. Nationale Filme haben es deshalb schwer dagegen anzukommen. Doch im Gegensatz zu den anderen Ländern, wo zumeist in der jeweiligen Sprache untertitelte Kopien zum Einsatz kommen, werden fast alle Filme, die ins deutsche Kino kommen, synchronisiert, d.h. sowohl Tom Hanks, Robert De Niro, Julia Roberts oder Isabelle Huppert sprechen deutsch. Für den so genannten normalen deutschen Kinobesucher ist es deshalb nicht relevant, ob es nun eine internationale Produktion oder eine deutsche Produktion ist, für "ihn" sind es alle deutsche Filme.

 In Frankreich dagegen werden fast alle internationalen Filme nur untertitelt, außer einige amerikanische "Blockbuster". Um also die französische Sprache zu hören, muss man in einen französischen Film gehen. Der Marktanteil des französischen Films ist deshalb weit höher als der des deutschen Films.

 Doch trotz aller Niederlagen an der Kinokasse, steht es um den deutschen Film gut. Obwohl bereits zum neunten Mal kein deutscher Film im Wettbewerb von Cannes war, werden viele deutsche Filme auf anderen Festivals in der Welt gezeigt: In Venedig, Montreal, Moskau, Shanghai, Pusan, Tokio, Chicago, Los Angeles, Berlin, um nur einige zu nennen.

 Die Filme von Christian Petzold, Oskar Roehler, Hans-Christian Schmid, Andreas Dresen, Vanessa Jopp und Sandra Nettelbeck zum Beispiel haben national und international für Aufsehen gesorgt. Dazu kommen die in Deutschland geborenen oder aufgewachsenen deutsch-türkischen FilmemacherInnen wie Fatih Akýn, Yýlmaz Arslan, Züli Aladað oder Sülbiye Günar, um nur einige zu nennen, die dem deutschen Film eine Auffrischungs-Impfung gegeben haben.

 Im Festival Türkei / Deutschland werden die Zuschauer sich ein Bild davon machen können.

 Mit der digitalen Filmtechnik werden immer mehr Filme schneller und ohne viel technischen Aufwand gedreht. Es wird die neueste Generation von FilmemacherInnen entstehen.

 Mit einer dann noch besseren Verleihstruktur, die momentan angeschlagen ist, und diesen vielen Talenten, braucht man sich um die Zukunft des Deutschen Films nicht zu sorgen.

Es wird die "neuen" Herzogs, Wenders, Schlöndorffs und Fassbinders geben, die auch an der Kinokasse Erfolg haben werden.

 Man muss sie nur fördern. 

Heinz Badewitz